Berufswahlorientierung für Schulen und Unternehmen in Rumänien

Mittwoch, 09 April 2014 In News
Eigene Kompetenzen einschätzen und die rumänische Arbeitswelt kennen lernen

Das Projekt "Job Orientation Training in Businesses and Schools (JOBS)" kombiniert die beiden Systeme Schule und Arbeitsmarkt. Das Programm bereitet Lernende des letzten Schuljahres am klassischen Gymnasium und Jugendliche im ersten Schuljahr an technischen Mittelschulen darauf vor, die eigenen Kompetenzen besser einzuschätzen und die reale Arbeitswelt kennen zu lernen. Ziel ist es, dass die Schülerinnen und Schüler sich so Informationen über berufliche Möglichkeiten erarbeiten und grössere Chancen haben, den richtigen Ausbildungsweg einzuschlagen.
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After having conducted their own research, the students enter the results into the terrain map.
Arbeitsplätze in meiner Umgebung: Nach der eigenen Recherche füllen die Lernenden die Bodenkarte mit ihren Ergebnissen. © DEZA

Auch in Rumänien ist der weltweite Trend zum Universitätsstudium zu beobachten, was zusammen mit allen Folgen der politischen und wirtschaftlichen Transition dazu geführt hat, dass gut qualifizierte Berufsleute auf dem Arbeitsmarkt fehlen. Das Projekt JOBS wirkt diesem Trend entgegen. Das rumänische Bildungsministerium und das Zentrum International Projects in Education (IPE) der Pädagogischen Hochschule Zürich haben mit Unterstützung der Universität Bukarest ein Unterrichtskonzept entwickelt, das beidem, den Bedürfnissen der Wirtschaft des neuen aufstrebenden EU-Mitgliedes und den Lebens- und Berufswünschen der jungen Menschen dienen soll. Damit sich die Wirtschaft weiter entwickeln und in Zukunft mit dem europäischen Markt mithalten kann, braucht Rumänien neben den notwendigen Akademikerinnen und Akademikern vorab gut ausgebildete Facharbeiter und Expertinnen.

Brücken bauen zwischen den eigenen Fähigkeiten und der Berufswelt

Das innovative Bildungsprojekt JOBS integriert die Anforderungen des Arbeitsmarktes als fachübergreifenden Unterrichtsgegenstand in den Lehrplan der Volksschule. Dieser Ansatz stellt sicher, dass alle Lernenden im Laufe ihrer obligatorischen Schulzeit selbständig direkten Kontakt zum realen Arbeitsmarkt und somit auch eine Verbindung zwischen dem Arbeitsmarkt und ihrer formalen Bildung aufbauen. Dabei ermöglichen die kooperativ entwickelten Unterrichtsmaterialien und ein innovativer Lernansatz einen realistischen Einblick in die Arbeitswelt im jeweiligen Umfeld der beteiligten Schulen.

Eine Berufserkundung selbstständig organisieren und Informationen sammeln

Die Schülerinnen und Schüler recherchieren im Rahmen des JOBS Unterrichts selbstständig die Berufsangebote in ihrer Nähe und stellen Kontakt zu Firmen her, in denen sie in Zweierteams selbständig eine ausführliche aktive Berufserkundung planen, realisieren und auswerten. Die Firmen ihrerseits werden über das JOBS Programm informiert, sodass nach und nach lokale Netzwerke zwischen der Arbeitswelt und der Schule aufgebaut werden. Regionale Verantwortliche pflegen und expandieren dieses „Business Netzwerk", laden regelmässig Interessenten ein und schaffen Möglichkeiten für Treffen und Veranstaltungen.
Zudem durchlaufen die Lehrpersonen ein spezifisches Weiterbildungsprogramm, das ihnen ermöglicht, die Jugendlichen beim Analysieren von individuellen Stärken und Schwächen zu begleiten und sich selbst didaktisch und inhaltlich weiter zu entwickeln.

Professions in action: Students in the JOBS programme participating at an information event in Brasov.
Berufe konkret: Auch JOBS-Studierende beteiligen sich an einer Informationsveranstaltung in Brasov.© DEZA

JOBS als notwendige Verbindung

Durch eine intensive Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Nationale Bildung wird eine Erweiterung des Projektes von Braşov in andere Regionen des Landes sorgfältig geplant. Eine begleitende Forschungsstudie wird in den nächsten Jahren aufzeigen, welche Auswirkung das Programm hat. Bereits jetzt reden die Lehrpersonen von einer Veränderung des Unterrichts und einem wachsenden Selbstbewusstsein der Schülerinnen und Schüler.
JOBS hat das Potenzial, den europaweit fehlenden Link zwischen der zu sehr isolierten Welt der formalen obligatorischen Bildung und der realen, sich schnell verändernden Welt der Arbeit beispielhaft aufzuzeigen und zu überwinden. Damit werden die jahrelangen Bemühungen der Schweiz in der Vermittlung des dualen Berufsausbildungssystems ideal vorbereitet und ergänzt. Bereits haben weitere Länder der Region ihr grosses Interesse angemeldet und beobachten die Entwicklungen von JOBS in Rumänien aufmerksam.

Working in the classroom, students become acquainted with their own competence profile.
Denken und diskutieren: Im Klassenzimmer lernen die Schülerinnen und Schüler ihr eigenes Kompetenzprofil kennen. © DEZA
blank Das Projekt in Kürze
Thema
Berufswahlorientierung für Schülerinnen und Schüler an rumänischen Schulen im Fokus auf die Anforderungen des Arbeitsmarktes
Land
Rumänien
Partner
Ministry of National Education (MNE) and the National Centre for Technical and Vocational Education Development (NCTVETD)
University of Bucharest Technical College Transilvania                                         Gymnasium No. 25
Ausgangslage / Hintergrundinformation
Die europäische Entwicklung und Rumäniens Beitritt zur Europäischen Union haben die Arbeitsmarktperspektiven der Jugendlichen verändert. Dieser Situation müssen sich auch Schulen und die Berufsbildung anpassen. In Zukunft werden vermehrt qualifizierte Arbeitskräfte benötigt, die ihre theoretischen und praktischen Kompetenzen und Fähigkeiten in verschiedenen Berufs- und Lebenssituationen anwenden können.
Zweck
Das Projekt hilft Jugendlichen den Einstieg in die Berufswelt zu finden und die eigenen Kompetenzen besser kennenzulernen. Ein aufgebautes Firmennetzwerk und eine gezielte Informationsstrategie helfen die Türen der Unternehmer leichter zu öffnen.
Aktivitäten
Im Rahmen des Projektes wird eine Reihe von Unterrichtsmaterialien entwickelt und angewandt. Das Lehrpersonal wird spezifisch weitergebildet, individuell unterstützt und nutzt eine E-Learning Plattform, um die Themen der Berufswahlorientierung und des schülerzentrierten Unterrichts zu vertiefen.

Zielgruppen
Unmittelbar profitieren werden die Schülerinnen und Schüler in der letzten Stufe des Gymnasiums und der Eingangsstufe an Technischen Schulen. Aber auch das Lehrpersonal aller teilnehmenden Schulen erhält eine qualifizierte und zertifizierte Weiterbildung.  
Kosten
Gesamtprojektkosten:2,35 Mio. CHF
Schweizer Beitrag:2 Mio. CHF

Verantwortung für die Projektumsetzung
Zentrum International Projects in Education der Pädagogischen Hochschule Zürich
Dauer
2012 - 2016
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